Störungen der Aufmerksamkeit früher und heute

Wilde, unruhige Kinder mit Störungen der Aufmerksamkeit hat es schon immer gegeben. Bereits im Jahr 1845 hat Heinrich Hoffmann, Nervenarzt aus Frankfurt, den Zappelphilipp in seinem berühmten Kinderbuch "Der Struwwelpeter" beschrieben. Aber noch nie wurde das Thema so breit in der Öffentlichkeit diskutiert wie heute. Noch nie zuvor wurde ADS / ADHS bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland so häufig diagnostiziert wie in den letzten zehn Jahren. Die Aufmerksamkeit, die diesem Thema geschenkt wird, spiegelt das Ausmaß wider, das diese Verhaltensauffälligkeit im westlichen Kulturkreis angenommen hat.

Ursachen von ADS / ADHS

Ein Teil der Experten erklärt das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit einer Hirnstoffwechselstörung, die medikamentös erfolgreich behandelt werden könne. Die Störung der Aufmerksamkeit gehe auf einen Mangel an chemischen Botenstoffen wie Dopamin und Serotonin zurück. So wie der zuckerkranke Patient Insulin bekomme, benötigten diese Kinder den Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin, Medikinet), ein Amphetamin, das ihren gestörten Hirnstoffwechsel normalisiere.

Andere Fachleute sehen die Ursachen mangelnder Aufmerksamkeit jedoch in

  • den veränderten sozialen und umweltbedingten Lebensverhältnissen von heute
  • dem Mangel an Bewegungs- und Spielräumen für Kinder
  • der Überforderung und der knapp bemessenen Zeit der Eltern, bedingt etwa durch Trennungen, Scheidungen, Arbeitslosigkeit oder zahlreiche Berufs- und Ortswechsel
  • der weit verbreiteten Unsicherheit von Eltern in Erziehungsfragen
  • der häufigen Abwesenheit von Vätern oder überhaupt von Männern in der Erziehung der Kinder
  • den hohen Erwartungen und dem Leistungsdruck der Gesellschaft, denen Kinder heute ausgesetzt sind
  • der allgemeinen Reizüberflutung in unserer Gesellschaft
  • dem immer früher beginnenden, oft von Gewaltszenen geprägten Medienkonsum (TV, Video, DVD, Computer)
  • oder in einer nicht erkannten Hochbegabung einzelner Kinder

ADS / ADHS erkennen

Motorische Unruhe / Hyperaktivität
Kinder mit ADHS sind ständig in Bewegung, zappeln mit Händen und Füßen, können nicht stillsitzen und fallen häufig vom Stuhl.

Impulsivität
Kinder mit ADHS können nicht warten, bis sie drankommen. Sie platzen statt dessen mit der Antwort heraus noch bevor die Frage zu Ende gestellt ist. Sie unterbrechen und stören andere im Gespräch oder Spiel.

Aufmerksamkeitsdefizit
Kinder mit Schwächen der Aufmerksamkeit sind leicht ablenkbar durch äußere Reize. Sie leiden unter einer sogenannten Reizfilterschwäche. Generell hören sie schlecht zu. Sie haben Schwierigkeiten ihre Aufmerksamkeit über einen gewissen Zeitraum auf eine Sache zu lenken. Häufig springen sie von einer Aktivität zur anderen und führen nichts zu Ende. In ihrem Zimmer, an ihrem Arbeitsplatz, in ihrer Schultasche - überall herrscht Chaos. Sie verlieren oder vergessen häufig Gegenstände wie Kleidungsstücke, Schulhefte, Bücher oder Federmäppchen.

Steuerungs- und Koordinationsschwäche
Bei Kindern mit Störungen der Aufmerksamkeit sind oftmals Defizite in der Grob- und Feinmotorik zu beobachten. Sie können beispielsweise keine Überkreuz-Bewegungen ausführen und verfügen über kein Rhythmusgefühl. Die Koordination von Auge und Hand gelingt nicht. Infolgedessen ist ihr Schriftbild  unausgewogen, häufig sogar unleserlich. Es fällt ihnen schwer, ihre Kraft richtig zu dosieren. Sie drücken daher beim Schreiben zu stark auf oder schießen einen Ball unkontrolliert durch die Gegend. Auch das Lesen und Schreiben bereitet Kindern mit ADS / ADHS aufgrund von Schwächen auf den Gebieten der Blickmotorik und der Augen-Handkoordination erhebliche Schwierigkeiten.

Störendes Sozialverhalten
Hyperaktive Kinder und Jugendliche provozieren oft durch ständiges Hineinreden. Sie verhalten sich häufig aggressiv und beleidigend. Immer wieder sind sie in Raufereien verwickelt. Zum Bild von ADS / ADHS  gehört es auch, dass sich solche Kinder nur schwer an Spielregeln der Gemeinschaft halten können. Nicht selten spielen sie den Klassenclown, um von ihren Leistungsschwächen abzulenken. So finden Kinder, die an Hyperaktivität leiden,keinen Rückhalt in ihrem sozialen Umfeld und werden isoliert.

Motivation, Ausdauer und Leistungsverhalten
Störungen der Aufmerksamkeit haben gravierende Folgen für die Motivation, Ausdauer und das Leistungsverhalten betroffener Kinder und Jugendlicher. Aufgrund ihrer kurzen Aufmerksamkeitsspanne haben sie Schwierigkeiten, komplexe Aufgabenstellungen zu bearbeiten. Typisch ist daher ein Absacken der Leistungen bei längeren Diktaten, Aufsätzen, Textaufgaben oder generell in Prüfungen. Ständige Misserfolge wirken sich negativ auf die Anstrengungsbereitschaft von Kindern mit ADS / ADHS aus. Teilleistungsstörungen wie Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) oder Dyskalkulie (Rechenschwäche) können die Folge sein.

Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und technisches Talent
Einige Kinder und Jugendliche mit ADS / ADHS überraschen jedoch auch durch ihre Kreativität und ihre Fähigkeit originelle Lösungen zu finden. Es ist daher wichtig abzuklären, ob sich hinter einer Störung der Aufmerksamkeit eventuell eine Hochbegabung verbirgt.

Mein Therapieangebot bei ADS / ADHS:

Ziel der Therapie ist es, dass die Kinder ihren eigenen Körper wieder besser wahrnehmen, je nach Bedarf flexibel zwischen Anspannung und Entspannung wechseln und die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit und Konzentration entwickeln können.

Bitte beachten Sie auch mein Angebot unter Seminare: "Mit allen Sinnen die Stille entdecken" und "Konzentration ist lernbar".

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